Uwe Schneindewind 07.05.12"Wohin läuft das Wissenschaftssystem?" war die Leitfrage einer Podiumsdiskussion im ProjektZentrum Berlin der Stiftung Mercator am 07.05.12. Sie fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Transformatives Wissen schaffen" statt. Nach dem Reihen-Auftakt im Wissenschaftsjahr mit Vorreiterinstitutionen, der Zivilgesellschaft und insbesondere den Ministerinnen der beiden das Thema vorantreibenden Bundesländer NRW und Baden-Württemberg am 06. Februar in der NRW-Landesvertretung diskutierte diesmal das "etablierte" nationale Wissenschaftssystem über den Status und die Fähigkeit, die großen gesellschaftlichen Herausforderungen adäquat zu bearbeiten.

Schon die Zusammensetzung der Podiumsrunde war bemerkenswert: Mit dem Hamburger Uni-Präsidenten Dieter Lenzen, dem Leiter der neuen Helmholtz-Allianz zur Energiewende, Armin Grunwald, dem für die gesamte Nachhaltigkeitsforschung zuständigen Abteilungsleiter im Bundesforschungsministerium, Eugen Huthmacher sowie dem Leiter Wissenschaft der - mit ihren aktuellen Energie- und Klima-Projektinitiativen im zweistelligen Millionenbereich Furore machenden - Stiftung Mercator, Wolfgang Rohe, waren zentrale Segmente des Wissenschaftssystems hervorragend repräsentiert. Dagmar Simon, die Leiterin der Wissenschaftssystemforschung am Wissenschaftszentrum Berlin und eine der profundesten Kennerinnen des Systems rundete das Plenum ab. Dass diese Akteure gerne der Einladung einer Veranstaltungsreihe gefolgt sind, die von einer Reihe innovativer und eher unkonventioneller Vorreiterinstituten und –universitäten veranstaltet wird, wäre vor fünf oder gar zehn Jahren kaum vorstellbar gewesen – zu einer Zeit, in der das gesamte Wissenschaftssystem noch im Bann der Exzellenzinitiative stand. Kurz vor Verkündung der Ergebnisse deren letzter Runde am 15.06.2012 und flankiert durch das aktuelle Wissenschaftsjahr zur Nachhaltigkeit scheint es eine neue Nachdenklichkeit über die Perspektiven der Wissenschaftspolitik für die kommenden Jahre zu geben.

Dies spiegelte sich auch in der Zusammensetzung des Publikums wider: Nicht nur zahlreiche Wissenschaftspolitikerinnen und –politiker unterschiedlicher Fraktionen hatten den Weg ins Projektzentrum gefunden, sondern auch die Vertreter mehrerer Landeswissenschaftsministerien. Niedersachsen war gar durch seinen Staatssekretär, Josef Lange, vertreten – der dienstälteste Wissenschafts-Staatssekretär in Deutschland, versehen mit einem sicheren Instinkt für relevante Entwicklungen in der Wissenschaft.

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