In seiner Herbstsitzung (10.-12.11.2010 in Lübeck) hat der Wissenschaftsrat u.a. seine "Empfehlungen zur Differenzierung der Hochschulen" verabschiedet. In seinen Empfehlungen plädiert der Wissenschaftsrat für mehr Mut zu Differenzierung im deutschen Hochschulsystem. Die Hochschultypen Universität und Fachhochschule in ihrer bisherigen Form allein reichen aus Sicht des Wissenschaftsrates nicht mehr aus, um die gewachsene Vielfalt der individuellen und gesellschaftlichen Erwartungen an akademische Einrichtungen erfüllen zu können. Es seien mehr alternative Hochschulformen notwendig. In seinem Gutachten (S. 110 f.) weist der Wissenschaftsrat dann auch knapp 30 Hochschulbeispiele aus, die heute schon in Deutschland als "institutionelle Sonderformate" in "Abweichung vom institutionellen Regelfall" gelten können - dabei auch mehrere themenfokussierte Hochschulen wie z.B. die Hafen City Univercity (HCU) oder die Hertie School of Governance. Insgesamt wird das Potenzial einer gegenstandsbezogenen Differenzierung von Hochschulen anhand von gesellschaftlichen Herausforderungen nur am Rande adressiert (vgl. S. 38 der Stellungnahme). So heißt es lediglich in einer Fußnote auf S. 38 "International lassen sich vereinzelt Experimente mit gegenstandsbezogenen Hochschulen beobachten. Dabei spielen vielfach transdisziplinäre Konzepte und eine Orientierung an großen gesellschaftlichen Herausforderungen eine Rolle. Vgl. exemplarisch die Selbstbeschreibung der Arizona State University in Phoenix." Es ist auch die einzige Stelle in dem 150-seitigen Papier, an der der Begriff der "Transdisziplinarität" auftaucht. "Nachhaltige Entwicklung" als gesellschaftliche Schlüsselherausforderung für eine mögliche gesellschaftliche Orientierung von Hochschulen wird kein einziges Mal erwähnt. Dies ist umso interessanter als aktuell mehrere Universitäten (wie z.B. die Universität Hamburg in ihrem Exzellenzinitiativenantrag oder die Leuphana Universität Lüneburg) in Deutschland aktuell auf eine Nachhaltigkeits-Orientierung als Differenzierungsstrategie setzen. Am 3.12.2010 wird in Berlin im -Rahmen der Tagung "Hochschulen für eine Nachhaltige Entwicklung" die Frage eine Rolle spielen, ob die Herausforderung "Nachhaltige Entwicklung" ein Differenzierungsmerkmal für einzelne Hochschulen oder eine Aufgabe für die gesamte Hochschullandschaft ist.